Querlight Nr. 28,
04 2003 Gleich kommt
Ferdinand!
Ein liebevoll ausgestattetes
Kinder-Theaterstück über Verwandlungen
hat das Ambrella Figurentheater mit "Gleich
kommt Ferdinand" inszeniert. Zwar ist
der gute Ferdinand anfangs gar nicht mit
von der Partie, aber das Spiel beginnt dank
Oskar auch ohne ihn... Ein
König hat drei Töchter, denen
er von seiner Reise etwas mitbringen möchte.
Natürlich ist es die jüngste und
schönste, die weder Schmuck noch Prachtkleid
wünscht, sondern "nur" eine
Rose. Dieser Wunsch aber hat es in sich:
nirgends ist eine Rose zu kaufen - bis der
Vater einen Garten findet, in dem tatsächlich
Rosen wachsen. Aber, ach! Die Rosen
werden von einem Ungeheuer bewacht, dem
der Vater sein königliches Versprechen
geben soll, auf Wunsch zu seinen Diensten
zu stehen. Die jüngste Tochter geht
anstatt seiner, denn sie wünschte ja
die Rose. Am Ende verwandelt sich das Ungeheuer
in einen Prinzen. Nach einem kleinen
Zwischenspiel beginnt das zweite märchenhafte
Zauberspiel: der Froschkönig. Auch
in diesem Märchen gilt es ein Versprechen
einzuhalten und am Ende verwandelt sich
der glibschige Frosch ebenfalls in einen
schönen Prinzen. Zwei königliche
Versprechen und zwei Verwandlungen. Was
müssen die Prinzessinnen tun, um die
Versprechen einzulösen? Beim ersten
Märchen verspricht der Vater etwas,
was die Tochter einlösen möchte,
weil ihr Vater ja ihretwegen dieses Versprechen
gegeben hat. Beim Froschkönig verspricht
die Prinzessin nur halbherzig, den Froschkönig
an ihre Seite mit ins Schloss zu nehmen,
der Vater fordert jedoch die Einlösung
des Versprechens ein : "Versprochen
ist Versprochen - und wird nicht gebrochen!"
Obwohl die Prinzessin beim Froschkönig
wesentlich aufmüpfiger ist, hält
sie sich durch den väterlichen Einfluß
ebenfalls an ihr Versprechen. |
 Der
"Lohn" ist in beiden Fällen
die Verwandlung des Abstoßenden, Angsteinflößenden
in etwas äußerst Anziehendes:
einen hübschen Prinzen. Die
liebevolle und sorgfältige Ausstattung
des Bühnenbildes und der Puppen führt
auf einer anderen Ebene zu weiteren Gedanken
über Verwandlungen. Da wird ein Tuch
zum Kleid, eine Holzkugel zum Prinzessinnen-Kopf:
ein märchenhaft versponnenes Spiel
mit der Fantasie, das Kinder unterhält
und sie inspiriert. Das macht den Ängstlichen
wie den Trotzigen Mut, sich an Versprechen
zu halten und in Erwägung zu ziehen,
dass das Angsteinflößende, Abstoßende
doch noch schön und gut werden könnte.
Ein wenig ratlos lässt uns nur
Ferdinand zurück, der dann doch noch
auftaucht. Denn zur Premiere gelang es ihm
noch nicht so recht, das Spiel mit doppeltem
Boden zu einem Ganzen zusammen zu führen.
Aber da sind wir ganz zuversichtlich: Auch
dieses Verwandlungs-Kunststück wird
Heike Klockmeier ihm sicherlich noch entlocken!
Yvonne Fietz
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